Elfenzorn

Bild des Benutzers Dorothea Möller
Altersfreigabe: 
ab 6 Jahre
Genre: 
Exposé / Leseprobe
Umfang: 
3 DIN A4 - Normseiten
Kategorie(n): 
Fantasie

Eine phantastische Freundschaft zwischen zwei pubertierenden Mädchen. Eine der beiden Mädchen ist eine Halbelfe, die andere ein Mensch. Welche Probleme Jugendliche  miteinander haben und was passiert, wenn eine Halbelfe sich richtig ärgert, davon erzählt die Leseprobe. ******

In einer Zeit, in der Menschen und Feen zufrieden miteinander lebten, besaßen die Elfen noch ihre Zauberkräfte, und die Macht das Böse abzuwehren. Die Harmonie zwischen den Welten war somit ausgeglichen. Doch die Machtgier einiger Menschen nahm zu. Sie wollten einerseits mehr über die geheime Welt der Elfen wissen, oder sich andererseits ihre Magie zunutze machen. Manch einer glaubte, es gäbe verborgene Schätze an Berghängen, im Wiesenrain und den tiefen Wäldern, wo einige alte Feenvölker lebten.

Die älteren und weisen Feen zogen sich mehr und mehr aus der Menschenwelt zurück, wieder andere glaubten nicht mehr an ihre Werte. Sie lebten mit den Menschen und zeugten Kinder, die zu Halbelfen wurden. Viele von ihnen waren sich des alten Wissen nicht mehr bewusst, oder konnten ihre vorhandenen Kräfte nicht immer kontrolliere...

Siri war eine Halb-Elfe. Sie liebte das Ballett und die Natur. Es bestand eine Mädchenfreundschaft zu einem Menschenmädchen, welche ebenfalls die die achte Klasse des Gymnasiums besuchte. In Biologie war Siri unschlagbar. Sie ahnte nicht, dass all ihr Wissen die uralte Elfenmagie enthielt. Marietta, Siris Freundin bewunderte sie sehr und war sogar ein wenig eifersüchtig, dass Siri all dieses Wissen scheinbar zuflog. Die beiden Mädchen hatten viele Gemeinsamkeiten und so war es nicht verwunderlich, dass sie bei all ihren gleichen Interessen irgendwann einmal für denselben Jungen schwärmten.

Phillip war bereits in der elften Klasse. Er interessierte sich sonst kaum für Mädchen, da er sich auf das Abitur vorbereitete und gerade deshalb entstand ein Wettstreit zwischen Siri und Marietta um die Aufmerksamkeit von Phillip.

"Du scheinst dich für Phillip zu interessieren", sagte Siri mit honigsüßer Stimme zu Marietta.

"Ja, er gefällt mir, daher habe ich mich für den Kurs in Fotographie angemeldet. Phillip ist auch im Kurs und dort habe ich mehr Möglichkeiten mit ihm ins Gespräch zu kommen", erzählte Marietta ihr noch ohne Argwohn.

Siri nickte und machte sich eigene Gedanken.

Ihre Eltern lebten in einem Haus in der Nähe des Waldes, mit einem großen Garten. Oftmals lag ein dichter Nebel über dem Grundstück, was ihn unwirklich wie geheimnisvoll aussehen ließ. Sie überlegte und kam zu dem Schluss, dass es Phillip gewiss interessieren würde, hier seine Schwarz-Weiß-Fotos zu machen.

Wenige Tage später lud Siri Phillip zu sich ein, damit er sich vor Ort ansehen konnte, wie traumhaft die Natur mit einem Nebelschleier aussehen konnte, die sie ihm zuvor in den glühendsten Farben geschildert hatte.

"Das ist ja phantastisch", schwärmte er. "Genauso eine Stimmung wollte ich mit meiner Kamera einfangen".

Siri lächelte kokett und stellte sich an einen Baum, von dem sie wusste, dass er ihre elfenhafte Aura zur Geltung brachte. Prompt fotografierte er sie und zeigte seine bearbeiteten Bilder von dem hübschen Haus im Nebel und Siri in dem verträumten Garten am Folgetag in der Gruppe.

Marietta platzte fast vor Wut, als sie die Bilder sah.

"Was bildet Siri sich bloß ein? Sie wusste doch genau, dass ich mich in Phillip verliebt habe", dachte sie grimmig.

Marietta fand es gemein von Siri, sich nun auch an Phillip heranmachen zu wollen.

"Na warte", dachte sie ärgerlich, "die nächste Mathematikarbeit kommt bestimmt, dann wirst du dich aber wundern Siri".

Siri kaute gelangweilt auf ihrem Füller herum und hatte noch keine Matheaufgabe zu Ende gelöst. Sie verstand Mathe einfach nicht. Jedes Mal hatte Marietta ihr bei den Lösungswegen geholfen, indem sie ihr das Löschblatt ihres Heftes zuschob, so dass sie abschreiben konnte. Doch dieses Mal tat Marietta so, als wüsste sie selbst die Lösungen nicht. Kurz bevor die Hefte abgegeben werden mussten schrieb sie rasch alle Ergebnisse hin und klappte ihr Heft zu. Ohne Siri eines Blickes zu würdigen, ging sie nach vorne ans Lehrerpult und gab die Arbeit ab.

Siri spürte wie Ärger und Wut in ihr aufwallten. Sie wurde vor Zorn dunkelrot im Gesicht, so dass kleine goldene Lichtpunkte in ihren Haaren zu glänzen begannen. Siri spürte eine Energie in sich brennen, die sie noch nie wahrgenommen hatte.

"Was ist jetzt los?", dachte sie mit leichter Panik.

In der Pause ging ihr Marietta aus dem Weg, sprach nicht einmal mit ihr.

Stattdessen stand sie in einer Ecke mit Phillip zusammen und kicherte albern, als er einen Scherz machte.

Siri drehte sich auf dem Absatz um und stürmte in die Mädchentoilette, da ihr schon wieder so heiß wurde. Als sie in den Spiegel sah, bemerkte sie, dass kleine Lichtpunkte in ihren Haaren leuchteten. Siri war sprachlos, fand aber, dass sie mit den lichtgesprenkelten Haaren noch hübscher aussah als vorher.

"Vermutlich ist das die Pubertät bei uns Halb-Elfen", überlegte sie und freute sich trotz ihres Ärgers diebisch, dass sie nun hübscher als ihre Freundin war. Sie wusste von ihrer Mutter, dass sie als Halb-Elfe mit allerlei Überraschungen zu rechnen hatte, die bei jeder Halb-Elfe anders ablaufen oder auftreten konnten. Zum Ende des Unterrichts beobachtete Siri, dass Marietta auf das Moped von Phillip stieg und mit ihm davon fuhr.

Da war es um ihre Fassung geschehen. Die erneut aufwallende Wut entfachte das Elfenfeuer in ihr und verlieh ihr Kraft wie Schnelligkeit. Sie stieg auf ihr Fahrrad und radelte mit ungewohnt hohem Tempo hinter den beiden her. Immer darauf bedacht, den Abstand zu wahren, dass sie nicht sofort entdeckt wurde, folgte sie ihnen auf den alten Friedhof. Der Tag war regnerisch und ein leichter Schleier lag über den Grabsteinen des uralten jüdischen Friedhofs. Siri versteckte sich hinter einem großen immergrünen Feuerdornstrauch, um das weitere Geschehen zu beobachten.

Phillip macht tatsächlich auch Fotos von Marietta, folgerte sie.

Eine enorme wie unheilvolle Kraft wuchs in Siri, denn sie befand sich an einem kraftvollen wie magischen Ort. Sie ahnte nicht, dass der Feuerdorn ihr schadete, da das Blut einer Feuerelfe durch ihre Adern floss. ...