Dragonlove- Wie Drachen fliegen lernen

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Altersfreigabe: 
ab 12 Jahre
Genre: 
Exposé / Leseprobe
Kategorie(n): 
Kinder und Jugend

Jorn der Schmied findet in einem einsamen Tal das junge Drachenweibchen Corra, das von einem Magier gefangen wurde. Sie will Jorn daran hindern, aber er öffnet die Ketten und befreit Corra. Leider entfesselt er damit einen Zauber, der nun auf ihnen lieg: Jeder Drache, der die Hilfe von einem Menschen erlangt, ist an diesen gebunden, bis diese Schuld getilgt ist. Leider kann die vorlaute Drachendame keine Menschen ausstehen und Jorn keine Drachen. Doch der wütende Magier verfolgt sie, ein Kopfgeldjäger und wütende Bewohner der Dörfer, durch die reisen. Gemeinsam müssen sie fliehen und lernen, einander beizustehen - und lebend die Inseln des Feuers erreichen, denn nur dort kann der Zauber wieder gelöst werden. 

-Werk ist noch in Arbeit-

Kapitel 5: Die blutrote Kaiserin

Die blutrote Kaiserin saß auf ihrem Thron im Palast der östlichen Winde. Er war ganz aus Elfenbein und Knochen gefertigt und sah nicht sehr bequem aus. Aber das sollte er auch nicht. Beeindrucken, Respekt einflößen, Furcht auslösen, das waren seine Aufgaben. Sonst hätte man ihn auch aus weicheren Materialien bauen können als aus den riesigen Stoßzähnen von Mammufanten - und Drachenknochen! Das Möbelstück, wenn man es denn so nennen konnte, war rot lackiert worden. Das war aber nicht der Grund, warum man die Frau, die darauf thronte, den Beinamen "Die Blutrote" gegeben hatte. Ein rhythmisches klackern schallte durch den riesigen Saal. Klackadadack. Klackadadack.

Normalerweise wäre das Geräusch durch den Raum gehuscht, an den Wänden abgeprallt und als munteres Echo zurückgekehrt. Hier, in diesem Palast - auf der Spitze eines Berges errichtet - war alles anders. Klackadadack. Klackadadack. 
Die Töne schwebten durch die Weite und suchten verwirrt eine Stelle, um sich wandeln zu können. Aber es dauerte ewig, diesen Raum zu durchqueren. Vielleicht waren die Wachsoldaten dafür geeignet, die entlang der Wände aufgereiht still und stumm vor sich hin starrten. Aber das Geräusch fand wenig Gefallen an ihnen. Mit schwarz lackierten Rüstungen und Hellerbarden standen sie und atmeten kaum, blinzelten kaum, lebten kaum. Denn sollte sich einer von ihnen Zuviel bewegen... die Soldaten wussten, warum die Kaiserin ihren Beinamen trug. Klackadadack. Das Geräusch fand endlich eine Wand aus kaltem Marmor. Endlose Fensterreihen erstreckten sich zu beiden Seiten und ließen das rotgoldene Licht der aufgehenden Sonne durch den Saal scheinen. Kleine Staubteilchen schwebten durch die Luft, nur durch die Sonne scheinbar zum Leben erweckt, lange Bahnen weißer Seide flatterten zwischen den Fensterbögen im Wind und tanzten mit dem Staub und dem Geräusch einen kurzen Reigen, bis endlich ein Echo geborenen wurde, das wieder zurück zum in den Saal schwebte. Klackadadack. Die mehrere Zentimeter langen Fingernägel der Frau auf dem Thron schlugen ungeduldig auf die Armlehnen. Sie waren aus den Knochen unglücklicher Sumpfdrachen geschnitzt, die das Pech gehabt hatten, dem kaiserlichen Drachenjäger zu begegnen. Klackadadack. Das Echo entdeckte freudig einen kleinen Mann, der unterwürfig auf Knien vor dem Knochenthron kauerte und seine Stirn auf den polierten Boden presste. Klackadadack. Das Echo umspielte die Ohren des Mannes, der daraufhin zusammenzuckte. Wie jedes Mal, wenn die Fingernägel wieder ein Geräusch erzeugten. Freudig hüpfte das Echo um den Mann herum, denn es bekam langsam viele Brüder und Schwestern. Alleine hätte es auch nie geschafft, diesen riesigen Raum zu erfüllen. Hier brauchte selbst das Echo ein eigenes Echo. Klackadadack. Der Mann zuckte und wand sich. "Haushofmeister", sagte die Kaiserin und klang dermaßen schneidend - hätten die Sonnenstrahlen sich nicht längst daran gewöhnt, sie wären glatt in Scheiben durch die Fenster gefallen.

Der Mann auf dem Boden erschauerte. Seine feinen, besticken Seidenkleider schimmerten im Licht, sein kahler Schädel glänzte vor Schweiß. "Herrin“, würgte er hervor und wagte es, ein wenig sein Gesicht zu heben. 
„Du hattest mir ein Drachenherz versprochen.“
„Ich hatte versprochen, jemanden zu finden, der euch eins bringt, Herrin“. 
Einen Moment trat eine Stille ein, die es vielleicht nur ein einziges Mal bisher gegeben hatte, kurz bevor die Götter das Universum erschaffen hatten. Der Haushofmeister senkte die Stirn wieder auf den Bode und verfluchte sich selbst. Er hatte gewagt, die Kaiserin zu korrigieren! Klack! Ein Fingernagel berührte die Armlehne, nur ganz kurz. Zwei schwarze, leicht schräge Augen durchbohrten ihn, das fühlte er.
„Nun gut, und wo ist dieser Jemand? Wann bekomme ich das Herz?“ 
Ein wenig neuen Mut erfasste den Mann, da er nicht sofort geköpft worden war.
„Der Zauberer Wigwarf, genannt der Grüne, hat mir eine Nachricht geschickt. Er hätte einen Drachen gefangen und sei auf dem Weg, seine magische Falle zu überprüfen. Ich bin sicher, ihr haltet das Herz bald in euren Händen, Herrin.“ 
„Du bist sicher? Dann hoffe ich für dich, dass er bald liefert. Meine Geduld ist begrenzt. Du darfst dich erheben und entfernen.“
Ohne sich seine Erleichterung ansehen zu lassen, erhob sich der Kahlköpfige, ließ den Rücken aber immer noch gebeugt. Rückwärts ging er zurück zum Ausgang, was eine Weile dauerte, zumindest war er bald aus dem Blickfeld der Kaiserin. Noch war er nicht gerettet, aber er war froh, noch am Leben zu sein. Sobald er sein Büro erreichte, würde er einen Boten zu diesem Zauberer schicken und ihm unmissverständlich klar machen, was auf dem Spiel stand. Für jeden. 

-Ende der Leseprobe-