Der Sommer, in dem das Morden begann

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Altersfreigabe: 
ab 16 Jahre
Genre: 
Exposé / Leseprobe
Kategorie(n): 
Geschichte
Krimi
Politik

Warum wird aus einem nüchternen Zahlenmenschen plötzlich ein Literat? Nun vielleicht, wenn gar nicht so seltene Ereignisse gleichzeitig zusammentreffen. Man(n) erkrankt, die Genesung dauert lange, hemmt die üblichen Aktivitäten. Man(n) hat schon lange eine auf einer wahren Begebenheit basierende Geschichte im Kopf.

Eine, die erzählt werden will.

Man(n) leidet dazu an maßloser Selbstüberschätzung. Ein Kriminalroman! Ha! Das mach‘ ich doch mit links! So was von pupich, wie wir damals als frische Erstklässler tönten, die wir von unserer Lehrerin als erste Hausaufgabe das Malen von Staubwolken auf ‘s Auge gedrückt bekamen. Aber auch zu einem Krimi gehört eine ausführliche und sorgfältige Recherche. Das unerwünschte Aufwirbeln von Staub. Und plötzlich passieren während des Schreibens Dinge, die so gar nicht beabsichtigt, vielleicht nicht einmal gewollt sind. Aus einem Krimi, einer besseren Fingerübung vor dem Hintergrund des I. Weltkrieges, wird ein „richtiger Roman“

Aber hier und jetzt kann ich folgendes zu Protokoll geben:

1. Der I. WK wäre auch ohne das Attentat von Sarajevo ausgebrochen. Der Termin 1. August war     so unabänderlich wie die 20 Mio. sinnlos ermordeten Menschen in seinem Gefolge. Denn als examinierter Diplomkaufmann, Handelslehrer und Wirtschaftshistoriker sowie Hobbybörsianer (40 Jahre) bin ich viel zu nüchtern, um die Fakten zu übersehen, zu leugnen.

Fakten die da sind:

a) Bereits am 2. August 1914 standen russische Truppen auf deutschem sprich ostpreußischem Boden
(Lesenswert: Ostpreußen 1914 – Der vergessene Krieg Veröffentlicht am 28. Juli 2014 von Brigitte Jaeger-Dabek)

b) Aber erst am 28. Juli hatte die K.u.K Monarchie Serbien den Krieg erklärt und damit den Russen die Handhabe für einen Zweifrontenkrieg gegen die K. u K. Monarchie und das mit ihm verbündete Kaiserreich gegeben.

c) Erst einen Tag zuvor zuvor war der Kaiser, Oberbefehlshaber, von seiner mit homoerotischen  Erlebnissen gespickten, jährlichen Nordlandreise zurückgekehrt.

d) Ebenso wie Major Nicolai, Chef der Sektion IIIb beim großen Generalstab. Diese kleine mit gerade einmal 50 Personen ausgestattete Abteilung (Vorläuferin des MAD) wusste buchstäblich bis Stunden vor der Mobilmachung Deutschlands am 31. August 1914 nicht ob Russland bereits mobil gemacht hatte oder nicht. Man schickte also Kundschafter in jenen Landstrich, der damals zu Russland gehörte, im Volksmund Russisch – Polen,  damit sie öffentliche Verlautbarungen abrissen und nach Deutschland brachten und so der Stand der russischen Kriegsvorbereitungen eingeschätzt werden konnte. (s. Gegen Russland und Frankreich 1890 -1914, Diss. FernuniHagen)

e) Wie Clarke in seinem gut verkauften Buch die Schlafwandler zu Protokoll gibt, rollten bereits am    25.Juli 1914 Ellen lange Güterzüge, schwer beladen mit Kriegsmaterial, Soldaten, Pferden und Mauleseln, Verpflegung etc. durch die Bahnhöfe von St. Petersburg, Kiew etc. Clarke zitiert dabei aus dem Tagebuch des belgischen Gesandten in St. Petersburg.
 
f) Zur gleichen Zeit soffen in Kiel englische und deutsche Marineoffiziere anlässlich der Kieler    Woche mit einander. Und so wandelte sich die bisher von mir nur als billige Rechtfertigungsrethorik abgetane Erklärung Wilhelm II. „mitten im Frieden überfällt uns der Feind...“, in eine zu Recht ausgesprochene Anklage.
    
Ausgerechnet das Zarenreich! Ein Agrarland, das 1905 krachend den Krieg gegen Japan verliert, dabei 2/3 seiner Kriegsflotte und ca. 175.000 Mann seiner Mandschurischen Armee einbüßt, wagt, mitten in der Erntezeit, einen Zweifrontenkrieg gegen das industrialisierte Deutschland und die K.u.K Monarchie, die zu dieser Zeit am stärksten wachsende Volkswirtschaft Europas. Insgesamt hatte Russland allein in und vor Ostpreußen anfänglich ca. 490.000 Soldaten liegen. Und so weiß ich,  dass bei einer durchschnittlichen Marschleistung von 18 km pro Mann und Tag wie sie für die Österreichische Armee durch Rauchensteiner ( der erste WK und der Untergang der K.u.K Monarchie) nachgewiesen ist, dass die russischen Truppen weit vor der Kriegserklärung der Österreicher gegen Serbien am 28.Juli 1914 in Marsch gesetzt wurden. Clarke erwähnt in seinem Buch, Zar Nikolaus II. Habe an diesem Tag vergeblich versucht, den russischen Aufmarsch zu stoppen, sei aber von seinen Ministern daran gehindert worden. Wem sich angesichts dieser  Fakten und mindestens 20 Mio. Toten des WK I. nicht  der Eindruck  eines Komplotts zu Lasten Rußlands und Deutschland aufdrängt, der möge über die 2015 vom  Chef des amerikanischen Thinktanks Stratfor gemachte Behauptung nachdenken: Es sei seit 1871, also dem Gründungsjahr des Deutschen Reiches, Ziel, Russland und Deutschland  gegeneinander zu hetzen.
    
Von alledem handelt mein Erstling noch nicht.

Es geht in meinem Roman „Der Sommer, in dem das Morden begann“ um das Leben der „einfachen“ Menschen am Vorabend und während des I. Weltkrieges. Besonders das letzte Drittel ist ungewollt zu einer Hommage an die Willensstärke und Tatkraft von Frauen geworden. Denn ohne die Zähigkeit des sog. „schwachen Geschlechtes“ hätte kein Land so lange Krieg führen können. Und: mein Roman ist eine leidenschaftliche Anklage gegen den Krieg! Ein Roman, der sich mit den „wahren“ Hintergründen des I.WK  befasst, wieder kriminalistisch angehaucht, ist angedacht.