Gottfried Benn

Schneidend wie ein Skalpell
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Geburtsdatum: 
02.05.1886
Todesdatum: 
07.07.1956
Staatsangehörigkeit: 
Germany

Schwerpunkte

  • Novellen
  • Poesie | Gedichte
Schneidend wie ein Skalpell - Gottfried Benn

Morbide, fremd und auch ein wenig Anstößig schlagen einem die Worte Gottfried Benns entgegen. Wie kein zweiter schaffte es der praktizierende Arzt und Autor, seinen Arbeitsalltag auf lyrische Weise abzubilden. Wie ein Skalpell schneiden sich seine Worte tief in das Bewusstsein seiner Leser.

Benn kann wohl als einer jener Schriftsteller angesehen werden, der von vielen aufgrund seiner anfänglichen Sympathien mit dem nationalsozialistischen Regime angefeindet wurde. Nicht nur Zeitgenossen wie beispielsweise Thomas Mann, standen in einem krassen Kontra zu Benn, was seine politische Meinung anbelangte. Während daher aus eben jenen Gründen viele Schriftsteller und Künstler in den dreißiger Jahren emigrierten und in das Exil gingen, verharrte der praktizierende Arzt in Deutschland und schloss sich der menschenverachtenden Propaganda an.

Doch sein Anbändeln ist nicht von langer Dauer. Sehr bald schon bekommt er selbst ein Schreib- und Publikationsverbot von den Nationalsozialisten auferlegt. Spätestens zu diesem Zeitpunkt musste auch Benn einräumen, dass er falschen Versprechungen und angehäuften Lügen zum Opfer gefallen ist. Seinem Ruf sollte dies nachhaltig schaden. Noch heute bestehen, durchaus keine unbegründeten, Vorbehalte gegen ihn. Dennoch, muss man nach näherem Studium seiner Person anerkennen, dass Benn ein gedankenloses Kind seiner Zeit war, was seinen politischen Fehltritt erklärt aber keineswegs entschuldigt.

Seine Texte geben plastische Eindrücke seines Arbeitsalltages wieder. Mit einer beinahe schnoddrigen und kalten Sprache beschreibt er Seziervorgänge, das gewohnte Umfeld der Pathologie als auch der Leichenschau. Eigene Erfahrungen und Gefühle stehen dabei immer zwischen den Zeilen. Benns geistige Innenwelt gleicht einer grausigen Karussellfahrt und berührt Grenzgebiete, in denen das Abstoßende dicht neben der Faszination liegt.

Auch seine gesellschaftlichen Ansichten und Prosastücke beschreiben oft in derber Sprache das tierisch gesteuerte Trachten hinter der menschlichen Maske. Besonders hervorgehoben sind das vordergründige Treiben in den Kaffeehäusern als auch die Abgründe des Berliner Nachtlebens.  

Eine Hassliebe zum Homo Sapiens schien den Dichter ununterbrochen umzutreiben. Immer im Zwiespalt zwischen fleischlicher Lust und biologischem Abfall.

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Gottfried Benn - Biografie